HUBERT LOBNIG
DIE†ńSTHETIK†DES†WIDERSTANDS,†Galerie im Turm, Berlin, 2014

2014


DIE ÄSTHETIK DES WIDERSTANDS, Galerie im Turm, Berlin, 2014


Peter Weiss war ein deutsch/schwedischer Schriftsteller, Künstler und Experimentalfilmer. Der Roman ›Die Ästhetik des Widerstands‹, 1975, 1978 und 1981 in drei Bänden veröffentlicht, gilt als sein schriftstellerisches Hauptwerk. Das Werk von Peter Weiss entwickelte sich in den 80er Jahren zum Kristallisationspunkt politisch-ästhetischer Diskussionsveranstaltungen und wurde angesichts seiner außergewöhnlich breiten Rezeption auch als der ›letzte gemeinsame Nenner‹ der Linken bezeichnet. Eines der Kernanliegen der Trilogie bildet die Reflexion des Verhält- nisses von Kunst und Politik. 

Eine der zentralen Thesen des Romans von Peter Weiss ist, dass sich durch die Auseinandersetzung mit Werken der Bildenden Kunst und der Literatur neue Modelle für die politische Aktion und für ein Verständnis des Sozialen ent- wickeln lassen. Damit knüpft Peter Weiss an die Ideale und Ideen der Arbeiterbildung an, die möglicherweise – wenn auch unter anderen Vorzeichen – eine Fortsetzung finden in der gegenwärtigen Praxis des selbstbestimmten Lernens. 

Mit der Ausstellung und dem begleitenden Programm zur ›Ästhetik des Widerstands‹ in der Galerie im Turm wollen wir die dem Roman zugrunde liegenden Themen in der Gegenwart neu verorten und der Frage nachgehen, inwie- weit die in Peter Weiss’ Roman aufgestellten Thesen für das künstlerische und das politische Feld auch heute noch Gültigkeit haben. 

Für die Ausstellung wurden Bildende Künstler_innen, Schriftsteller_innen, Kritiker_innen und Kuratoren_innen eingeladen, die sich in ihren Arbeiten bereits mit dem Werk von Peter Weiss beschäftigt haben, einen Beitrag zu gestalten. 

Im begleitenden Veranstaltungsprogramm werden u. a. historische Konzepte der Arbeiterbildung mit einem aktu- ellen politisch-ästhetischen Diskurs in Kontext gebracht; Aspekte des Romans werden an Originalschauplätzen in der Stadt diskutiert. 

BEITRAGENDE 

Aesthetic of Resistance Reading Group (London), Akademie einer anderen Stadt (Knobloch/Vorkoeper), Dorothee Albrecht, Iris Andraschek, bankleer, Daniela Brahm/Les Schliesser, Yvon Chabrowski, Fred Dewey, Heiner Franzen, Christine de la Garenne, Erik Göngrich, Mathilde ter Heijne, Ralf Hoedt, annette hollywood, Ingela Johansson, Halina Kliem, Julia Lazarus, Achim Lengerer, Hubert Lobnig, Lizza May David, Matthias Mayer, Ralo Mayer, Jana Müller, Warren Neidich, Kirsten Palz, Andrea Pichl, Ben Pointeker, Stefan Römer, Isa Rosenberger, David Rych, Judith Siegmund, Melissa Steckbauer, Jan Verwoert/ Federica Bueti, Bettina Vismann, Simon Wachsmuth, Franziska Wildt, Sabine Winkler, Andreas Wutz, Florian Wüst, Moira Zoitl u.a. 

In der Ausstellung ist täglich von 14—19 Uhr eine kleine Auswahl ›proletarischer‹ Filme zu sehen, die mit neueren Produktionen aus dem Film- und Kunstbereich ins Ver- hältnis gesetzt werden. 

›Die Ästhetik des Widerstands‹, ein Ausstellungsprojekt initiiert von Julia Lazarus und Moira Zoitl.
Unterst
ützt aus Mitteln der Kulturförderung Friedrichshain-Kreuzberg. 

Weitere Informationen und kurzfristige Updates zum Veranstaltungsprogramm finden Sie auf www.galerie-im-turm.net 

DIE ÄSTHETIK DES WIDERSTANDS 

GALERIE IM TURM 

13 . J U N I — 2 3 . J U L I 2 014 

ERÖFFNUNG: DO.12. JUNI 2014 19 UHR 

Galerie im Turm 

Frankfurter Tor 1 10243 Berlin 

Öffnungszeiten:

Dienstag — Sonntag, 12 —19 Uhr Eintritt frei  

Die Galerie im Turm ist eine Einrichtung des Bezirksamt Friedrichshain- Kreuzberg 

 

IGBILDENDEKUNST 

DIE ÄSTHETIK DES WIDERSTANDS

Ausstellung und Veranstaltungsprogramm zum Roman
„Die Ästhetik des Widerstands“ von Peter Weiss

initiiert von Julia Lazarus und Moira Zoitl

 

Eröffnung Dienstag, 4. Februar 2014, 19 Uhr

 

Ausstellungsdauer bis 21. März 2014


Projektbeteiligte:


Aesthetic of Resistance Reading Group (London), Akademie einer anderen Stadt (Knobloch/Vorkoeper), Dorothee Albrecht, Iris Andraschek, bankleer, Daniela Brahm/Les Schliesser, Yvon Chabrowski, Fred Dewey, Heiner Franzen, Christine de la Garenne, Erik Göngrich, Mathilde ter Heijne, Naomi Hennig, Ralf Hoedt, annette hollywood, Halina Kliem, Ralo Mayer, Warren Neidich, Julia Lazarus, Hubert Lobnig, Lizza May David, Matthias Mayer, Manoa Free University, Jana Müller, Kirsten Palz, Andrea Pichl, Stefan Römer, Isa Rosenberger, David Rych, Judith Siegmund, Melissa Steckbauer, trafo.K, Jan Verwoert/Federica Bueti, Bettina Vismann, Simon Wachsmuth, Franziska Wildt, Sabine Winkler, Andreas Wutz, Moira Zoitl, u.a.


Die Ästhetik des Widerstands

„Ich gehöre nicht zu den Autoren, die ihre Kunst von ihrem gesellschaftlichen Leben trennen, und die der Kunst eine autonome Existenz zusprechen. Auch ich bin ... davon überzeugt, dass die größte Qualität der Kunst in ihrer Fähigkeit liegt, in die Wirklichkeit einzugreifen, um diese zu verändern.“ Peter Weiss(1)

Peter Weiss (* 1916 bei Potsdam; † 1982 in Stockholm) war ein deutsch/schwedischer Schriftsteller, Künstler und Experimentalfilmer. Der Roman „Die Ästhetik des Widerstands“, 1975, 1978 und 1981 in drei Bänden veröffentlicht, gilt als sein schriftstellerisches Hauptwerk. Es entwickelte sich in den 80ern2) zum Kristallisationspunkt politisch-ästhetischer Diskussionsveranstaltungen und wurde angesichts seiner außergewöhnlich breiten Rezeption auch als der „letzte gemeinsamen Nenner“ der Linken bezeichnet. Eines der Kernanliegen der Triologie bildet die Reflexion des Verhältnisses von Kunst und Politik, eine Fragestellung, die bis heute immer wieder neu verhandelt wird.3)

Der Roman liefert dabei weniger einen Beitrag zur ästhetischen Theorie, sondern eher die Ausarbeitung einer ästhetischen Pädagogik. In diesem Sinne ist das Buch ein Bildungsroman, in dem junge Arbeiter eine widerständige Praxis durch die Wechselhaftigkeit der Geschichte erlernen, sich aber auch eine ästhetische Kultur aneignen, die die politische Ausbildung ergänzen soll und ihr vielleicht sogar vorausgeht.4)

Eine der zentralen Thesen des Romans von Peter Weiss ist, dass sich durch die Auseinandersetzung mit Werken der Bildenden Kunst und der Literatur neue Modelle für die politische Aktion und für ein Verständnis des Sozialen entwickeln lassen. Die jungen Protagonisten des Romans, dessen Handlung sich von den späten 30er Jahren bis zum Zweiten Weltkrieg spannt, treffen sich immer wieder in Museen und Galerien um gemeinsam Kunstwerke zu betrachten und diese im Hinblick auf den politischen Kampfes der Unterdrückten neu zu interpretieren. 

In dem Buch geht es also um die Ausbildung von politischen Überzeugungen und den Gewinn von neuen Erkenntnissen durch das Lesen und Interpretieren von Kunst, letztendlich also um das Erlernen und Sammeln von in der Gegenwart anwendbarem Wissen und politischem Verständnis durch die selbstbestimmte Rezeption der Kulturgeschichte. Damit knüpft Peter Weiss an die Ideale und Ideen der Arbeiterbildung an, die möglicherweise – wenn auch unter anderen Vorzeichen – eine Fortsetzung finden in der gegenwärtigen Praxis des selbstbestimmten Lernens. 

Mit der Ausstellung und dem begleitenden Programm zu dem Buch „Die Ästhetik des Widerstands“ in der Galerie IG-Bildende-Kunst wollen wir die dem Roman zugrunde liegenden Themen in der Gegenwart neu verorten und der Frage nachgehen, inwieweit die in Peter Weiss´s Roman aufgestellten Thesen für das künstlerische und das politische Feld auch heute noch Gültigkeit haben. Mittels einer breit angelegten Einladung, die sich an Bildende Künstler_innen, als auch Schriftsteller_inen, Kritiker_innen und Kuratoren_innen richtet haben wir Personen die sich in ihren Arbeiten bereits mit dem Werk von Peter Weiss beschäftigt haben, eingeladen einen Beitrag zu gestalten.  


1  Antwort auf einen Offenen Brief von Wilhelm Girnus, 1965

2  Volksuni ’80. Bilder und Texte, Berlin/W 1981

3  Gerhard Scheit in „Diese bebende, zähe, kühne Hoffnung“. 25 Jahre Peter Weiss: Die Ästhetik des Widerstands. St. Ingberg: Röhrig, 2008

4  Fredric Jameson, aus der Einführung in der englischen Ausgabe von „Die Ästhetik des Widerstands“

 

RAHMENVERANSTALTUNGEN: 


Sonntag 16. März, 12 Uhr – 20 Uhr
Arbeiterkino

TOP KINO


Montag 17. März 19 Uhr

„Das Verhältnis zu den Verhältnissen. Zur Geschichte der Arbeiterbildung.“ 

Vortrag von Lisa Sinowatz

Dienstag 18. März, 19 Uhr

„Der Streit um den ästhetischen Blick“

Buchvorstellung von Jens Kastner 


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