HUBERT LOBNIG
ARCHIPELAGO, Hauptbücherei Wien

2018








Book with the film of its own making

Blindbände, Videoprojektion


Iris Andraschek und Hubert Lobnig


Die Arbeit bezieht sich auf das Verschwinden einer großen Anzahl von im Iran verbotenen Büchern aus dem Bestand der Hauptbücherei Wien. 

Gorji Marzban schrieb vor mehr als zehn Jahren Jahren, mit der Idee eine persische Bibliothek in der Hauptbücherei Wien einzurichten, in der auch im Iran verbotene Bücher zu finden sind an drei iranische Literaturwissenschaftler und fragte sie nach den 100 für sie wichtigsten Büchern persischer Literatur. Er erhielt, obwohl die Drei nichts voneinander wussten, fast identische Listen.  Danach wurden die ersten 100 Bücher in der Fremdsprachenbibliothek aufgestellt, katalogisiert und der Hauptbücherei einverleibt. Mittlerweile sind es viel mehr Bücher geworden. Sie zählen zu den am öftesten entlehnten Teilen der Hauptbücherei.

Das Verschwinden von Büchern aus dieser Sammlung erklärt sich durch verschiedene Umstände. Sie werden, so wird vermutet sowohl aus Liebe, um sie zu besitzen (es gibt sie ja nicht mehr im Handel) als auch im Gehorsam zum iranischen Staat, um sie zu vernichten, entwendet.

Wir versuchen einige der verschwundenen Bände in Größe und Seitenanzahl zu rekonstruieren und als Blindbände nach zu produzieren. Dabei arbeiten wir mit einem iranischen Buchbinder und achten auf Eigenheiten der Buchkunst und Buchverarbeitung im Iran. Die weißen, katalogisierten, Blindbände von 13 verschwundenen Büchern werden symbolisch in das Regal, aus dem die Bücher verschwunden sind rückgeführt. (Die verbotenen Bücher heißen umgangssprachlich „White Books“) 

Auf dem angebauten Ablage-board liegt ein aufgeschlagener Band. Auf ihn wird von oben ein Film, der seine Herstellung dokumentiert, projiziert.

 

Archipelago - Insel des unvorhersehbaren Denkens (Island of Unpredictable Thinking) is an artistic project in Vienna’s main public library. The library, which is frequented by thousands of people every day, serves as a place for thought processes and forms the centre of the project. What issues are these people currently reflecting on? What are they reading and what are they looking for? What unexpected connections arise between the people and the media they use in the library?

The artworks on display in the main library, as well as the performances, films, workshops and discursive items on the programme, focus on the significance of a pulsating mental space, as represented by the main library, which can be likened to a steamboat being carried downstream with the current of the city.

Édouard Glissant’s Poetics of Relation forms an important starting point for the project. The Martinican writer, poet and philosopher uses the word »archipelic« to describe a »non-systematic, inductive way of thinking, exploring the unforeseen of the world-totality«.

Works by Vienna-based artists are displayed in the interior and the exterior of the library. In a centrally located studio, Škart, an artist collective from Belgrade, produces news and messages coming from the archipelago of daily streams of thoughts.

The exhibition’s accompanying programme includes a film series, talks and educational formats, as well as workshops for users, visitors and staff of the main library.


Works by Iris Andraschek / Hubert Lobnig, Ovidiu Anton, Amoako Boafo, Carla Bobadilla, Natalie Deewan, Petja Dimitrova / ARA, Sophie Dvořák, Eva Engelbert, Aldo Giannotti, Marlene Hausegger, Michael Heindl, Elvedin Klačar, Ebru Kurbak, Tatiana Lecomte, Verena Melgarejo Weinandt, Lisl Ponger, Wendelin Pressl, Kamen Stoyanov, Sophie Utikal, Anna Witt



Archipelago. Insel des unvorhersehbaren Denkens ist ein künstlerisches Projekt in der Hauptbücherei am Gürtel. Im Zentrum steht die von täglich tausenden Menschen frequentierte Bücherei als ein Ort der größtmöglichen Offenheit.

Die ausgestellten Arbeiten, sowie die Performances, Filme, Workshops und diskursiven Programmpunkte gehen auf die Bedeutung eines pulsierenden Denkraums ein, wie ihn die Hauptbücherei darstellt, die gleich einem Dampfer im Strom der Stadt unterwegs ist.

Einen wichtigen Ansatzpunkt für das Projekt bildet die Poetik der Vielheit von Édouard Glissant. Der aus Martinique stammende Schriftsteller, Dichter und Philosoph spricht vom archipelischen Denken. Dieses ist »nicht-systematisch, sondern induktiv angelegt« und erforscht solcherart »das Unvorhergesehene des Welt-Ganzen«.

In den Räumen der Bibliothek finden sich Arbeiten von in Wien tätigen Kunstschaffenden. Ein zentral eingerichtetes ATELIER der Gruppe Škart aus Belgrad vervielfältigt neue Nachrichten und Botschaften, die aus dem Archipel der täglichen Gedankenströme kommen. Das Begleitprogramm zur Ausstellung umfasst eine Filmreihe, Diskurs- und Vermittlungsformate sowie Workshops für Besucher*innen, Nutzer*innen und Mitarbeiter*innen der Hauptbücherei.


Ausstellung mit Werken von

Iris Andraschek / Hubert Lobnig, Ovidiu Anton, Amoako Boafo, Carla Bobadilla, Natalie Deewan, Petja Dimitrova / ARA, Sophie Dvořák, Eva Engelbert, Aldo Giannotti, Marlene Hausegger, Michael Heindl, Elvedin Klačar, Ebru Kurbak, Tatiana Lecomte, Verena Melgarejo Weinandt, Lisl Ponger, Wendelin Pressl, Kamen Stoyanov, Sophie Utikal, Anna Witt  


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