HUBERT LOBNIG
Kreuzungspunkt Linz - Lentos Kunstmuseum

2009




Aus: Brennpunkt Soziales; Johanna Schwanberg

Um aktuelle gesellschaftspolitische Themen kreist auch Hubert Lobnigs "Der Sammler Zivomir", der seinen Lebensunterhalt  in Wien durch das Sammeln und Recyclen von Altmetall verdient. In den Fotostrecken geht es nicht nur um das Sichtbarmachen von Aspekten, die in der öffentlichen Berichterstattung keinen Platz finden. Vielmehr bekommt die Arbeit gerade dadurch Brisanz, indem sie auf Parallelen zwischen dem prozesshaften, skulpturalen Ansatz "Zivomirs" und gegenwärtigen künstlerischen Praktiken aufmerksam macht. Während Lobnigs Serie Gesellschaftsstrukturen im urbanen Bereich analysiert, ....

Die Ausstellung Kreuzungspunkt Linz setzt sich mit der Bedeutung von Linz als Entstehungs- und Sammlungsort von Kunst auseinander. Denn Linz ist im Umfeld der Kunstuniversität und der Ars Electronica nicht nur ein spannender Ort für Kunstproduktionen, sondern pflegt auch eine lebendige Praxis im Sammeln von Kunst der Moderne und Gegenwart. Dies spiegelt sich sowohl in der international orientierten Sammlung des Lentos als auch in den Stadtankäufen von aktueller Kunst mit Linzbezug.


Die GastkuratorInnen Dieter Buchhart und Johanna Schwanberg werfen in Kreuzungspunkt Linz nicht nur einen Blick auf die regionale Kunstszene, sondern fordern deren Arbeiten mit bekannten Werken der klassischen Moderne bis hin zu Zeitgenössischem geradezu heraus. Derart verwebt sich die Präsentation zur kulturhistorischen Reise zwischen den Zeiten und zwischen den verschiedenen künstlerischen Medien, die sowohl eine Neupräsentation der Sammlung des Lentos als auch eine Vorstellung spannender junger und jüngerer KünstlerInnen mit Linzbezug bezeichnet.

Dabei werfen die KuratorInnen Fragestellungen auf, die die Parallelen wie Divergenzen zwischen Werken unterschiedlicher Epochen spannungsvoll beleuchten: Was verbindet ein Landschaftsgemälde von Caspar David Friedrich (1774-1840) mit einer Naturfotografie von Mathias Kessler (geb. 1968) und wie behauptet sich das "unter die Haut gehende" Video der Linzer Kunstuniabsolventin Karin Fisslthaler (geb. 1981) gegenüber Egon Schieles (1890-1918) radikalen, malerischen Selbstergründungen?
Durch die Konfrontationen ergeben sich Querverbindungen und neue Sichtweisen: So ist den Bildnissen Oskar Kokoschkas oder Maria Lassnigs die tiefgehende Auseinandersetzung mit der menschlichen Existenz ebenso intensiv zu eigen wie jener von Irma Kapeller oder Herwig Kempinger. Auch die Landschaft dient Caspar David Friedrich und Max Klinger ebenso wie jungen, zeitgenössischen KünstlerInnen wie Mathias Kessler oder Julie Monaco als ein Fenster in das Naturverständnis ihrer Zeit und bildet somit sowohl im 19. wie auch im 21. Jahrhundert einen Spiegel der jeweiligen Gesellschaft.

In medialer Vielfalt entwickeln sich spannende Zusammenhänge in acht Themenbereichen wie dem Porträt, der Abstraktion, der Landschaft oder der Wissenschaft. Besonderes Augenmerk liegt auf Arbeiten zu gesellschaftsrelevanten Fragestellungen (Migration, Identität, Soziales, Globalisierung, Genderfragen) sowie auf medienübergreifenden, künstlerischen Ansätzen (Kunst und Wissenschaft, Text und Bild, Malerei und Skulptur). Dieter Buchhart und Johanna Schwanberg, KuratorInnen

 


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