HUBERT LOBNIG
K08, Alpen Adria Galerie, Klagenfurt

2008










Emanzipation und Konfrontation. Kunst aus Kärnten 1945 bis heute. Die Ausstellung setzt das Projekt "Eremiten-Kosmopoliten-Moderne Malerei in Kärnten 1900-1955" fort. Beschränkte sich der erste Ausstellungsteil 2004 auf die Malerei, so wird dieser Schwerpunkt entsprechend der Kunstentwicklung nach 1945 erweitert. Neben der Malerei haben Skulptur, Architektur und Fotografie, sowie auch Film und Video zunehmend an Stellenwert gewonnen. Die Ausstellung und der Katalog werden daher folgende Medien beinhalten: Malerei, Skulptur, Fotografie/Video, Architektur, Kunst im öffentlichen Raum In der Ausstellung "Emanzipation und Konfrontation - Kunst aus Kärnten 1945 bis heute" werden sowohl KünstlerInnen gezeigt, die in Kärnten geboren sind als auch internationale KünstlerInnen, die heute ihren Arbeitsmittelpunkt in Kärnten gefunden haben.

1. Die Chromtreppe herabsteigend, 2008/ca. 210x200x25cm

Das in Bildfelder unterteilte Video wird auf zwei stehende Glasflächen mit neun semitransparenten, versetzten Projektionsflächen projiziert. Auf den verschiedenen Bildfeldern sieht man eine Person (den Künstler), fragmentiert, in neun Perspektiven aufgenommen, eine Treppe herabsteigen. Die Videoinstallation „Die Chromtreppe herabsteigend“ von Hubert Lobnig ist ortsspezifisch. Die Treppe ist die verchromte Treppe aus dem Foyer des Klagenfurter Stadthauses, die in den 70er Jahren mit dem Neubau/Zubau des Theatersaals (der späteren Alpe Adria Galerie) nach Plänen von Adolf Bucher errichtet und mit einem hohen, aus quadratischen, einzeln beweglichen Elementen bestehenden Spiegel von Arnulf Komposch geschmückt wurde. In dem Projektionsobjekt bricht sich das Bild in unterschiedlichen Ebenen, wird widergespiegelt und verräumlicht. Die Arbeit nimmt durch die Verwendung der Fensterelemente und der herabschreitenden Figur Bezug auf zwei Arbeiten von Marcel Duchamp. Die Bildfelder gehen unterschiedlich auf die Bildfelder im verräumlichten Glasobjekt ein. Manchmal ist das projizierte Bild ganz, manchmal in drei Bildfelder unterteilt, die im Objekt räumlich gebrochen werden. Meistens decken sich die 9 Bildfelder des Videos mit den 9 semitransparenten Bildfeldern des Objektes. Durch die zwei Dimensionen des Objektes gibt es zwei Punkte, in dem die Projektion genau deckend zu sehen ist. Bewegt sich die/der BetrachterIn zerfällt das Bild. Durch die Multiplikation der Geräusche des Gehenden auf der Treppe wird der Sound dichter. Eine Menge von Personen steigt die Treppe herab, es klingt wie ein Bienenschwarm. Da, die Projektion nicht ganz passgenau ist, lässt sie an den Rändern Licht durch: Das Objekt wird als Lichtstrukturzeichnung nochmals in den Raum projiziert.

2. Malerei, Bitumen/Aluminium auf Leinwand 2007/2008

Hubert Lobnig zeigt eine Serie von Bildern, in denen bestimmte architektonische Elemente der Alpe Adria Galerie aufgenommen sind. Das Material des spiegelnden Stahls, der spiegelnden Sputniklampen, der Spiegel und der Chromtreppe wird in der Malerei mit Silberfarbe entsprochen. Lobnig setzt hier seine Arbeit an Interieurs, an der er seit Ende der 90er Jahre arbeitet mit neuen Mitteln fort und verbindet in ihnen öffentliche mit privaten Orten.

3. Kärnten nach dem Regen, Video 2008, Monitor, mobile Plattform

In einem Video geht ein Mann mit einem schmutzigen Kärntneranzug in einer anonymen Stadtlandschaft und zieht einen Handwagen/Einkaufswagen mit aufgelesenen Gegenständen aus dem Müll hinter sich her. Das Video wird auf einem Monitor gezeigt, der auf einer Plattform steht, an die eine Stange mit einem Ziehgriff angebracht ist. Der Protagonist in der Videoarbeit ist Serbe. Die Arbeit ist eine ironische Auseinandersetzung mit Nationalismen und Zeichen aber auch ein Versuch die Folgen einer auf Events und Oberflächen konzentrierten Boulevardgesellschaft vorauszuahnen. Auch in dieser Arbeit gibt es Bezug zur klassischen Moderne. Max Ernst malte am Anfang der 40er Jahre ein metaphorisches Bild von Europa in Schutt und Asche. (Europa nach dem Regen) Die Arbeit von Hubert Lobnig handelt von der Modernefeindlichkeit Kärntens, dem Land, in dem die Architektur von Adolf Bucher (Arnulf Komposch) im Stadthaus vergessen, ein Franz Erhard Walter Museumsbau als Handy-Lager benützt und aus dem Künstlerhaus alle Elemente der Moderne entfernt wurden. Die Alpe Adria Galerie bewirbt Ihren Stadthausbau aus dem 19.Jhdt. auf der Website, erwähnt aber mit keinem Wort den (meiner Meinung) bedeutsamen Neubau aus den frühen 70er Jahren, in dem sich ein Aufbruch und Anlehnung an die internationale Architektur der Moderne aber auch eine sehr intelligente Zusammenarbeit zwischen Architektur und Kunst widerspiegelt. Man verschweigt und vergisst die Zeit der 60er Jahre und frühen 70er Jahre, in denen Kärnten offener war, Anschluss an internationale Kunst und Architektur anstrebte und verbindet das 19. Jahrhundert direkt mit der Postmoderne, die mit ihren eklektizistischen Prinzipien; Nachbau, Fälschung, Inszenierung der Eventkultur eines populistischen Landeshauptmanns entgegenkommt.

Eröffnung: Sonntag 6. Juli 2008, 18.30 Uhr
Alpen Adria Galerie im Stadthaus Klagenfurt
Juli bis November 2008


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