HUBERT LOBNIG
Die Baustelle, Dommuseum Wien

2013
















Die Baustelle/The Construction Site
5. bis 22. 10. 2013 im Dommuseum, Stephansplatz 6, 1010 Wien
Eröffnung, 5. Oktober 2013

Beginnend mit der "Langen Nacht der Museen" bis zur Podiumsdiskussion am 22. Oktober konnten Besucher/innen das ausgeräumte alte Dommuseum, in dem sowohl Spuren der ehemaligen Ausstellungen, als auch Eingriffe des zukünftigen Umbaus sichtbar waren nochmals begehen. Der Künstler Hubert Lobnig realisierte ein ortsbezogenes Kunstprojekt mit dem Titel „Die Baustelle“. Auf einer großen Installation aus Baumaterialien waren Projektionen von Menschen beim Tragen schwerer Lasten zu sehen.   Die prekäre Lebenssituation von Bauarbeitern, sowie die Stadt als Ort der permanenten Erneuerung, Spekulation und Gentrifizierung kam dabei zur Sprache. Es ergaben sich auch Analogien zur Kreuztragungsikonografie;

Die Baustelle/The construction site
Video, 2013
10:59 min
 
16 Bauarbeiter trugen im Rahmen einer streng choreographierten Performance, die im September 2013 in Wien stattfand, Material vom Karlsplatz durch die Kärntner Straße, der bekannten Fußgängerzone Wiens, bis zum Stephansplatz. Der Weg liegt auf der Achse zwischen Peripherie, mit Baumärkten und Gewerbebetrieben und der spekulativen, hochpreisigen Innenstadt. Die Aktion, die einer Prozession oder einer Protestkundgebung ähnelte, reagiert auf versteckte Umwandlungs- und Umbauprozesse, die sich zur Zeit still in den Zentren vieler  Großstädte vollziehen. Der Film zitiert in seiner SW-Ästhetik Aktionen und Performances von KünstlerInnen der frühen 70er Jahre, die ebenfalls die Fußgängerzone in der Wiener Kärntner Straße als Aufführungsort nutzten.
 
Ausgangspunkt und Grundlage des Videos ist Hubert Lobnigs Auseinandersetzung mit der Situation von Arbeitskräften - meist mit migrantischem Hintergrund, die kurzzeitig und ohne eine Form der Sicherheit, Schwerarbeiten auf Baustellen leisten. Oft haben diese einen prekären Aufenthaltsstatus, stehen auf der untersten Stufen der Gesellschaft. Sie bieten Ihre Arbeitskraft häufig am sogenannten „Arbeitsstrich“ an.

Im Mittelpunkt der Arbeit "Die Baustelle" steht aber auch der menschliche Körper, dessen Streckung, Dehnung und Stauchung beim Tragen von Schwerlasten  und handelsübliche Baumaterialien, die durch Größe und Gewicht speziell auf den menschlichen Körper und das Tragen und die Montage von Hand, zugeschnitten sind. Weiters handelt es von den permanenten Umwertungs- und Umformungsprozessen der Stadt - von Spekulation und dem Verschwinden der Arbeit.

Der Film zitiert in seiner SW-Ästhetik Aktionen und Performances von KünstlerInnen der frühen 70er Jahre, die ebenfalls die Fußgängerzone in der Wiener Kärntner Straße als Aufführungsort nutzten. 

Triester Strasse bis Stephansplatz
Video Farbe 50,25 min

Hubert Lobnig trägt eine Gipskartonplatte vom Lager eines Baumarktes in der Triester Straße in der Peripherie bis zum Stephansplatz, im Zentrum Wiens. Schon am Beginn der Wegstrecke ist die Platte zu schwer, der Wind zu stark. Durch eine rasch ausgehandelte Vereinbarung wird die Last mit einem jungen Mann, der am Rande der Straße auf Arbeitgeber wartet, geteilt. Der Mann ist gut gekleidet, freut sich über die Arbeit, ist anfangs irritiert von der Kamera und verwundert über den weiten Weg. Künstler und Arbeiter tragen durch Zufall die gleichen Turnschuhe. 

Die Baustelle/The construction site
Serie von 12 SW - Fotografien auf Barytpapier hinter Glas, gerahmt,  Auflage 5 Stück, 2013

 

Podiumsdiskussion: Armut und Arbeit
Dienstag, 22. Oktober 2013 im Dommuseum, 19.00 Uhr

Im Zuge der Abendveranstaltung „Armut und Arbeit“ wurden die Themenfelder prekäre Arbeitsmöglichkeiten und Arbeitsrecht im Kontext des Kunstprojekts von Hubert Lobnig von renommierten  Expertinnen aus soziologischer, juristischer, kunstwissenschaftlicher und theologischer Perspektive beleuchtet. Zum Ausklang lud die „Die Baustelle Dommuseum“ zu einem letzten Abend vor dem Umbau mit Speisen aus Nepal, Mali, Tansania und andern Ländern, die Mitarbeiter/innen des Afro-Asiatischen Instituts zubereitet haben. Die Veranstaltung war eine Kooperation zwischen Dom- und Diözesanmuseum, dem Afro-Asiatischen Institut, der Katholischen Aktion, der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung und der Caritas Wien.

Begrüßung: Nikolaus Krasa, Generalvikar der Erzdiözese Wien und Günter Geyer, Generaldirektor des Wiener Städtischen Versicherungsver eins,Vorsitzender des Vereins der Freunde des Dom- und Diözesanmuseums

Am Podium:

Andreas Gjecaj, Generalsekretär der Fraktion Christlicher Gewerkschafter
Cornelia Kogoj, Generalsekretärin der Initiative Minderheiten, Kuratorin der Ausstellung "Gastarbajteri“
Hubert Lobnig, Künstler
Alexander Bodmann, Generalsekretär der Caritas Wien
Ursula Struppe, Leiterin der MA 17 – Integration und Diversität
Moderation: Johanna Schwanberg, Direktorin des Dommuseums


 


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