HUBERT LOBNIG
Das ist wirklich hier passiert - This really happened here

2012












 «This Really Happened Here»

Exhibition and research project

«This Really Happened Here» is a largescale research and exhibition project on alternatives for political, social and cultural development in the Austrian state of Carinthia. Carinthia’s negative image as a politically reactionary, intellectually provincial and culturally conservative region is by no means wholly unjustified. And yet, a whole range of projects on various levels have been undertaken during the past 40 years that can only be considered exemplary in terms of initiating alternative forms of economic activity, cultural practice and social cohesion. The story of this «other Carinthia» has however failed to attain a prominent position in general historical awareness. Various initiatives that were once thought to hold great promise for the future seem to have been largely forgotten today, and in some cases were not only deliberately hindered, but even left out of the story altogether. We would like to believe, though, that knowledge of the concrete histories of progressive experiments in the recent past might provide some leads for working out new approaches today to exploring future prospects for the region.

«This Really Happened Here» is a cooperative project by Kunstraum Lakeside and the Institute for Media and Communication Sciences at the University of Klagenfurt. As part of a seminar organized on the initiative of the Kunstraum in WS 2011/2012 and led by communication scientist Matthias Wieser and artist Hubert Lobnig, students did research in public and private archives on selected events in the alternative history of Carinthia, gathered material, and analyzed media reports on the events under study.

Their work revolved around two case studies of economic, social and cultural selforganization in the late 1970s and a more recent example from 2006: the founding of the Longo maï cooperative near Eisenkappel in 1977, the legendary occupation of a house in Klagenfurt’s Reitschulgasse in 1979 with the goal of establishing an autonomous culture and communication center, and the installation of the «BombaClab» in two occupied military barracks on the Kreuzbergl in 2006, associated very similar demands to those made in 1979 on Reitschulgasse. These three very different incidents with their equally disparate courses of development (both successes and setbacks) formed the point of departure for research, interviews with those involved, and the gathering of materials illustrating connections with other concrete stories and their discussion in media and politics.

The results of this research project will be presented and put up for discussion in Summer Semester 2012 in the form of an exhibition at Kunstraum Lakeside. Also figuring in this portrayal and rewriting of (regional) history are methodological questions within the conflicting fields of artistic, scientific and political approaches.

This project represents our continuing engagement with an agenda launched in recent years through, for example, the discussion «Raum schaffen» («Making Space» – on critical Carinthian art and culture initiatives) and the film project «Representing Saualm» (on the political and media discourse surrounding the asylum system in Carinthia) as an earnest and critical confrontation with «burning» regional issues. Our interdisciplinary collaboration with the institutes at the University of Klagenfurt has proven extremely fruitful here.

 Christian Kravagna, Hedwig Saxenhuber

 

"Das ist wirklich hier passiert"

Ausstellung und Forschungsprojekt

 «Das ist wirklich hier passiert» ist ein umfangreiches Recherche- und Ausstellungsprojekt zu Alternativen der politischen, sozialen und kulturellen Entwicklung Kärntens. Das schlechte Image Kärntens als politisch reaktionär, geistig provinziell und kulturell konservativ ist durchaus nicht unbegründet. Dennoch hat es in den letzten 40 Jahren immer wieder Projekte auf verschiedenen Ebenen gegeben, die modellhaften Charakter im Hinblick auf alternative Formen des Wirtschaftens, der kulturellen Praxis sowie des gesellschaftlichen Zusammenlebens beanspruchen können. Die Geschichte des «anderen Kärntens» hat jedoch im allgemeinen historischen Bewusstsein einen geringen Stellenwert. Diverse Initiativen mit Zukunftspotenzial scheinen heute weitgehend vergessen oder wurden gezielt nicht nur in ihrer Entfaltung behindert, sondern auch aus der Geschichte ausgeschlossen. Wir gehen aber davon aus, dass ein ­Wissen um die konkreten Geschichten progressiver Experimente in der jüngeren Vergangenheit Anhaltspunkte für heutige Ansätze zur Aus­arbeitung von Zukunftsperspektiven in der Region darstellen kann.

«Das ist wirklich hier passiert» ist ein Kooperationsprojekt des kunstraum lakeside mit dem Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft der Universität Klagenfurt. Im Rahmen einer auf Initiative des kunstraums im WS 2011/12 initiierten Lehrveranstaltung unter der Leitung des Kommunikationswissenschaftlers Matthias Wieser und des Künstlers Hubert Lobnig recherchierten Studierende in öffentlichen und privaten Archiven zu ausgewählten Ereignissen in der alternativen Geschichte Kärntens, sammelten Material und analysierten Medienberichte zu den entsprechenden Ereignissen.

Im Zentrum steht die Beschäftigung mit drei Fallbeispielen zu wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Selbstorganisation aus den späten 1970er-Jahren und einem aktuelleren Beispiel von 2006: die Gründung der Longo maï Kooperative bei Eisenkappel im Jahr 1977, die legendäre Besetzung eines Hauses in der Klagenfurter Reitschulgasse im Jahr 1979 mit dem Ziel der Gründung eines selbst verwalteten Kultur- und Kommunikationszentrums sowie der Installierung des BombaClab in zwei besetzten Militärbaracken am Kreuzbergl im Jahr 2006, verknüpft mit sehr ähnlichen Forderungen wie 1979 in der Reitschulgasse. Diese sehr verschieden­artigen Ereig­nisse mit ihren ebenso unterschiedlichen Entwicklungen (Erfolgen und Rückschlägen) bildeten den Ausgangspunkt von Recherchen, Interviews mit Beteiligten und Materialsammlungen, aus denen sich Verbindungen zu anderen konkreten Geschichten und ihren medialen und politischen Diskussionen herstellen lassen.

Die Ergebnisse dieses Forschungsprojekts werden im Sommersemester 2012 in Form einer Ausstellung im kunstraum lakeside präsentiert und zur Diskussion gestellt. In diesem Zusammenhang der Darstellung und Neuschreibung von (regionaler) Geschichte geht es auch um methodische Fragen im Spannungsfeld künstlerischer, wissenschaftlicher und politisch engagierter Zugänge.

Wir setzen mit diesem Projekt eine Programmatik fort, die wir in den letzten Jahren u.a. mit der Diskussionsveranstaltung «Raum schaffen» (zu kritischen Kärntner Kunst- und Kulturinitiativen) und dem Filmprojekt «Representing Saualm» (zum politischen und medialen Diskurs um das Asylwesen in Kärnten) als ernsthafte und kritische Auseinandersetzung mit «brennenden» regionalen Themen begonnen haben und in der sich die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Instituten der Universität Kla­genfurt als äußerst fruchtbar erwiesen hat.

 Christian Kravagna, Hedwig Saxenhuber

 

Raumkonzept, Displays von Hubert Lobnig:

1. Der gespiegelte Kunstraum Lakeside im Außenraum als Metapher für die Raumnahme in allen drei dokumentierten Projekten. Das Transparent "Von allen Interessen befreites Gebiet"

2. Drei fahrbare Stellwände: 2 Seiten; a. Ein subjektiver Blick auf die Projekte, Rechercheergebnisse. b. Die Projekte in den Medien

3. Das Filmarchiv: 2 Tische, 4. Monitore, 4DVD-Player, 4 DVDs, ein Radiofeature

4. Die Kommunikationsstraße: Ein wandgroßes Foto der Fassade des Klagenfurter Hauses Reitschulgsse 4 (heute Europahaus) als Wand für Eintragungen, Ergänzungen, Komplettierungen der Ausstellung.

5 Die Erinnerungsmaschine in Form eines sechseckigen Displays aus Ladenelementen und Stehern, zugleich Vitrine und Archiv. Ein drehbares Projektionsobjekt aus Glas, DVD-Player, DVD, Projektor

Fotos: 1-5: Hubert Lobnig, Installationsansichten

Foto 6: Bruno Stubenrauch, Die Erinnerungsmaschine


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