HUBERT LOBNIG
GARTEN MEIDLING - The tree under the influence

2010








The tree under the influence
Iris Andraschek und Hubert Lobnig


Im Waldviertel einer nördlichen Region Österreichs (Niedrösterreich) wurden in den letzten Jahren einige Betriebe und Vereine gegründet, die sich der Erhaltung und Weiterzucht von aussterbenden, bedrohten, vergessenen oder von EU- und anderen Verordnungen verbotenen Kulturpflanzen widmen. Ihre Arbeit funktioniert über den Einbezug von Privatpersonen und Privatgärten, die in der Pflanzenerhaltung, Zucht - und Verbreitung
eine zentrale Rolle spielen. Dadurch bildeten sich ausgeprägte Netzwerke, die mitlerweile weit über die Region hinausreichen. Wir haben in mehreren Projekten und für mehrere Ausstellungen (Häuser und Gärten 2000, Cement Gardens 2003 (siehe www.hubertlobnig.com), in gardens under the influence 2005 oder „from rural to urban landscape“ 2010), mit diesen Netzwerken gearbeitet.

Ein Apfelbaum wird in der Wolfganggasse vor ein kommunales Wohnhaus gepflanzt. Für die dafür zuständige Magistratsabteilung ist es unüblich fruchttragende Pflanzen in einen Park oder eine Grünzone oder neben eine Straße zu pflanzen. Das herabfallende Obst im Herbst, die notwendige Pflege (Baumschnitt) oder möglicherweise soziale Konflikte bei der Ernte mögen der Grund dafür sein.  Die Entscheidung einen solchen Fruchtträger einer örtlichen Gemeinschaft in einer Straße zu widmen und zu überantworten, ist der erste Teil der Arbeit.
Die Diskussion in der Gemeinschaft über Pflege bzw, Ernte, bzw. Zuständigkeiten und Rechte über den Baum ist ein wichtiger Bestandteil.
In einem zweiten Teil werden  AnrainerInnen der Wolfganggasse aufgefordert Edelreiser verschiedener Apfelbäume zu sammeln oder Edelreiser mitzubringen, die im Frühling auf den Baum veredelt werden. Es ist auch möglich Birnenzweige auf den Apfel zu veredeln. Die Apfel-Birnen-Fruchtsorten sind so mit Personen verknüpft, von denen die Edelreiser stammten. Die beteiligten Personen und deren Geschichten (ein Reiser aus dem Obstgarten der Großmutter oder des Vaters, ein Reiser aus dem „Herkunftsland“, von meinem Lieblingsapfelbaum etc.) werden aufgeschrieben, auf ein Täfelchen gedruckt und am Baum befestigt. Ein Baum mit Geschichten und sozialen Bezügen entsteht.


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